Gelassen bei Schiffbruch, I. Akt

Liebe Freunde.
Allem Getöse im wahren Leben zum Trotze wird heute wieder getextet. Einen hübschen Anlass bietet mir mein Versicherungsvertreter. Nachdem wir dem Vorgange der rechtmäßigen Anmeldung unseres Neuerwerbs in Sachen Kfz Herr geworden sind, flatterte lieblichst ein blauer Schrieb in unsere Bauten.
Der Herr von der Versicherung hat unserem neuen Versicherungsvertrag eine Ausgabe des Europäischen Unfallberichts beigefügt.

Format DIN A fünf, weiße Schrift auf königsblauem Hintergrund.
Zu lesen die Maxime:
„Bitte höflich bleiben, bitte Ruhe bewahren.“

Zu wahr. Würde mir dieses Format nun nicht Anlass geben, die Feder zu schwingen, verbrächte ich es umgehend in unser neues Mobil.
Allein, noch dient es meiner Inspiration.

Versetzen wir uns zurück in das Jahr Zweitausendundsechzehn.
Ein Sommer voller Hitze, in den Straßen, in den Köpfen.
Mein Mann hat uns in einen Urlaub auf eine italienische Insel gelotst,
wo wir Kfz- und zeltweise die selbige umfuhren, um uns den Freuden des Sommers hinzugeben.

Es wurde getaucht, geschwitzt, gegessen.

Nicht hinweg zu reden war meine in den Sommerferien
entstandene Besessenheit,
mich aktiv und schnell zu bewegen, an Land wie im Wasser.
Um den Sinn und Genuss des Sommerurlaubs in seiner Gänze erfassen zu können, hatten wir wie üblich diese Freude ganz an das Ende der Sommerferien gelegt.
Was in den Wochen zuvor, den Sommerferienwochen, vonstatten gehen kann, lässt sich wohl nur am konkreten Leib erfahren. Kinder, die beginnen, sich zu langweilen und Zugänge finden, ihr verstimmtes Mütchen an den Erzeugern abzuarbeiten, sind eine Plage. Wer je das Verlangen verspürt, sich ein bisschen geißeln zu wollen, sollte sich an eine Sommerferienkinder-Agentur wenden. Im übrigen gehen natürlich auch Ketten.

Meine Art der Kompensation dieses Zustands waren in diesem Sommer das Rennen und Schwimmen. Schwimmen mit Anlauf. Ich mauserte mich in diesem Sommer vom schnaufenden Häufchen Wassertreterin in eine Schnellschwimmerin, die im Sportbecken eine gute Figur machte. Was die richtige Energie alles so ausrichtet!

An Land packte ich meine unlaunige Meute teils ein, teils bewegte sie sich motzend, doch freiwillig selbst hinter mir her: auf den Sportplatz.
Man konnte dann beobachten: Feriensportgruppen, männlich, Flüchtlingskinder, männlich, zwei holde Maiden, Zöpfe flechtend, eine Frau, rennend.

Das junge Kind, noch defizitär bezopft, ließ sich zeitweilig darauf ein, einem Ball hinterher zu hechten, nahm dann doch bald schon Kontakt auf zu Käfern und Bübchen am anderen Ende des Spielfelds. Bald schon zerrten meine lieblichen Kinder den Proviantsack auf den roten Tartanplatz, um sich die mitgebrachten Nüsse und Früchte einzuverleiben, welche ich notgedrungen für die allzeit hungrigen
Nachkommen eingepackt hatte.
Ich umrundete die Geschöpfe sprintender Weise.

Dies war der Gemütszustand in dessen wir aufbrachen
in Richtung Süden.
Damit Sie im Bilde sind.
(Gespannt, wie es weiter geht? Auf zur Lesung!)

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© 2017 Lisa Marie Binder-Raupenstrauch
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