Pipi für Jungs

Gestern hat der Ernst des Lebens angeklopft.

Was für eine Phrase. Nicht wahr. Wie kann der Ernst anklopfen. Der Ernst hockt doch im Innern.
Reine Abschiebung ist das. Quasi ein Direktflug, München-Kabul.
Der Ernst, jedenfalls, er kam daher mittels behördlichem Schrieb.
Mir reicht stets EIN behördlicher Schrieb, damit ich mich freiwillig einer Runde Pranayama widme, wahrhaftig, das genügt,
aber gestern bekam ich zwei davon.
Warum?
Ich weiß es nicht. Zwei Stellen des Landratsamts wollten tätig sein.
Nicht so schlimm.

Aber. Der Ernst.
Ich hatte mir so erträumt, noch weiter leger sein zu können, fern ab von jeglicher Behördlichkeit.
Frei sein! Herumtexten! Für das Leben und die Wahrheit.
Jetzt das.

Angesichts des aufgekommenen Prüfungstourismus sieht man sich in Ingolstadt gezwungen, die Zügel zu straffen. Schluck.
Wenn Sie jetzt gedanklich hängen, klicken Sie auf „Beruflich“.
Wenn die arg straffen, muss ich vielleicht wieder zurück in die Landeshauptstadt. Maria-Hilf-Platz II.
Das ist gut für das Texten. Aber übel für die Gesamtsituation.

Liebe Freunde. Was soll ich sagen.
Eben noch wollte ich schreiben von einer Alltagsfrage, furchtbar banal, dabei aber so bedeutend für meinen Lebensweg. So igitt ich es finde, mein Leben will mich in den Alltag schicken. Fürwahr. Schonungsloser kann ich es mir nicht ausmalen.
So liegen die Dinge mit dem Leben, wo es einen hin schickt und wie man sich dabei fühlt, Yogis ausgenommen.

Die Alltagsfrage hätte gelautet: Wissen Sie eigentlich,
wie der Penis funktioniert beim Pieseln?
Ich weiß es nicht.
Freilich, ich kann mir Versuchsaufbauten vorstellen, aber, die meisten Männer, die anständigen, streiken an dieser Stelle.

Ich weiß einiges über das Verhalten des Penis beim Pieseln
des Neonatus. Beruflich, wissen Sie.
Es wackelt meist zuerst, dann stellt sich das Gerät auf,
dann läuft es raus.
Soweit meine Erfahrungen in der Windelfrei-Praxis, da kann ich aufklären, erkennen, zur Stelle sein.
Allein, wie entwickelt sich das beim Mann hinten raus?

Ich habe, wie Sie vielleicht bereits festgestellt haben, zwei Töchter.
Beide ohne Penis.
Und wir alle hier auf diesem Haufen, wirklich vereint im Wunsche, würden gerne einmal sehen, wie das ist, mit dem Männerpieseln.
Im Wald gäbe es ja an sich Gelegenheit, den Vater und Gatten zu beobachten, aber er weiß es konsequent zu unterbinden.

Wackelt es vor dem Lospieseln? Stellt er sich auf?
Kommt dann noch was?

In meiner Windelfrei-Beratungstätigkeit stoße ich verständlicher Weise immer einmal auf Mütter, die ratlos sind vor dem Penis ihrer Söhne. Wie anstellen, dass das Pipi zum Topfe, in das Gebüsch kommt und nicht anderswo hin?
Ich berate dann praxisnah, das elegante Stück zwischen die Finger zu nehmen und da rein zu halten, wo die Sause hin gehen soll.
Oder, Alternative: Tuch drüber, Augen zu und abwarten.
Mal kommt das gut an, mal das.

Einmal habe ich die Männer im Kurs gefragt. Die saßen da, die Augen ganz weit offen. Ich war mir nicht sicher, weshalb.
Also gefragt, „Männer, wie ist das jetzt?“ Wird das Stück gehalten oder kriegt es Freiheit?
Die Quintessenz, auch wenn nicht eindrücklich erörtert, „ja, es wird gehalten“. Immer hin – ein Stückchen Aufklärungsarbeit.

Ich kann schon nachfragen, das nächste Mal.
Ich meine, da sitzen Männer, sie haben Penisse und gekommen sind sie wegen dem Pieseln. Da kommt die Frage recht platziert.

Aber jetzt – jetzt ist es so weit.
Der Ernst, die Verpflichtung, hat sich in mein Genick gehockt.
Blickt streng, mahnt mich, zu beenden.
Vorbei die Textung. Gebe jetzt nach. Prüfe mein Wissen.
Widme mich wieder der Pathologie, dem Fall aus dem Paradies.

Dann gibt es bald Krankheitslyrik.
Bleiben Sie dran.
(Quatsch)

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© 2017 Lisa Marie Binder-Raupenstrauch
Die Verbreitung dieses Textes bedarf einer
ausdrücklichen Genehmigung.

2 Gedanken zu „Pipi für Jungs“

  1. Synapsenhopping in Reinkultur. Herrlich, wie einen das Leben taktet – bin gespannt, was Ernst auslösen wird…

    1. Liebe Sylvia.
      Herrlich ist es allemal. Heute schon getaktet worden?
      Hier taktet es.
      Dingdongdang.
      Ernst heute nicht in Sicht.
      Der Wahnsinn aber, der helle, der reine.
      Einen Kuss sendet trotzdem: Lisa Marie

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