Der deutsche Bräutigam

bräutigam

Es war Pfingsten. Wir waren in die Berge verreist, halb vegan, Urlaub auf dem Bauernhof. Warum auch nicht.
Wie angekündigt, regnete es in Strömen. Weil das Wetter uns auch den Donner um unsere Ohren haute, sprangen wir, halb närrisch, den Abhang hinab und beruhigten die teilweise wild gewordenen Kinder, auf dass sie ihre Tritte sorgsam wählten, achtsam blieben, auch in der Herausforderung. Dabei gelang es uns von Augenblick zu Augenblick mehr, uns mit den nassen Stoffen auf unseren Körpern wohlig zu fühlen.

Alles verlief glatt, wir kamen am Stück und vollzählig am Fuße des Berges an, suchten unser Familienfahrzeug auf, das uns leise und sparsam zum Hof fuhr.

Die Kinder wollten gerne im Nassen bleiben, mit den zu großen Laufrädern fahren, die sehr kleine Katze streicheln, wir ließen sie verbleiben. Trockneten uns unsererseits, beinahe inspiriert von so viel Freiheit in der bäuerlichen Abgeschiedenheit.

So fanden wir Raum, zu sagen, was uns bewegte, Zeit, das Abendessen vorzubereiten, Platz, die müden Glieder zu lagern.
Als mich mein mütterlicher Instinkt nach unten trieb, stieg es schon herein, das kleine Kind. Ausgefahren hatte es sich. Es musste seine Miniatur-Blase entleeren und schimpfte herum mit der Schwester.

So kamen wir langsam wieder alle zusammen. Manche kugelten sich auf dem Boden, andere wuselten herum, der Vater schlief am Tische ein.
Zu müde war er, für unser Treiben.

Am Ende des Tisches, befand sich ein großer Bildschirm. In seiner Fremdartigkeit konnte er eine Verstörung auf unsere Kinder bewirken.
Im Heim, hinter den Bergen, da war ein Fernseher nicht.
Aus Erzählungen indes war ihnen klar, dass der große Knopf auf der Fernbedienung, deren sensationelle Einführung zu Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts, mich davon befreite, zum Kasten zu wieseln und herum zur drücken, von eins bis sechs und wieder zurück, immer vorbei am Schweizer Fernsehen, das NICHTS Bedeutendes für mich herschaffte, dass also dieser Knopf Großes verhieß.
(Wie es weiter geht, erfahrt Ihr auf einer Lesung…)

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© 2017 Lisa Marie Binder-Raupenstrauch
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